Ausgangssituation: Das Projekt „HIV/AIDS-Prävention in Justizvollzugsanstalten“ liegt begründet in der bereits etablierten Präventionsarbeit in unterschiedlichen Haftanstalten in Hessen. Die Infektionsrate der Gefangenen mit HIV und Hepatitis B/C ist deutlich höher als die in der Gesamtbevölkerung. Zunächst liegt das daran, dass die Insassen überproportional häufig den sog. Risikogruppen zuzuordnen sind. Hinzu kommt die gesundheitliche Benachteiligung vor Haftantritt, die jedoch während der Haft verbessert werden kann. Doch neben der medizinischen Grundversorgung gilt es das Gesundheitsbewusstsein zum Thema HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) der männlichen Gefangenen zu stärken und zu fördern, denn Sexualität und Abhängigkeit enden nicht notwendigerweise nach Haftantritt. In insgesamt 41 Präventionsveranstaltungen hat eine erfahrene Pädagogin die Möglichkeit mit ca. 370 männlichen Inhaftierten zwischen dem 14. und 25. Lebensjahr ins Gespräch zu kommen und in Einzel- oder Gruppengesprächen das bereits vorhandene Wissen zu den Themenbereichen zu ergänzen, wenn nötig auch zu korrigieren und persönliche Belange zu thematisieren.
Zielgruppe und Inhalte: Die Präventionsveranstaltungen haben den Fokus auf der Vermittlung von Grundlagenwissen zur HIV-Ansteckung, Schutz vor einer HIV-Infektion und den Umgang mit HIV/AIDS-Betroffenen. Ohne Frage ist die Bearbeitung dieses Themenkomplexes nicht möglich ohne die Einbeziehung der momentanen und vorhergehenden Themenwelt der Inhaftierten. Das bedeutet, dass ebenfalls relevante medizinische Themen an der Schnittstelle von HIV, wie Hepatitis B/C, Syphilis und Tripper Erwähnung und Bearbeitung finden. Besonders relevant ist in Haftanstalten die Bearbeitung von Themen, wie der Gefahr des Spritzentausches und des gegenseitigen Tätowierens mit provisorischem Gerät und Material. Ergänzt wird das medizinische Gebiet um psychosoziale Themen wie „Leben in Abstinenz“ oder Ausübung von Sexualität entgegen den tatsächlichen Vorlieben und Geheimhaltung von Erkrankungen aus Angst vor Diskriminierung und Ausgrenzung in der Gruppe. Ein weiterer wichtiger Komplex der Veranstaltungen ist die Auseinandersetzung mit Sexualität im Kontext von Glauben und Kultur sowie die Wahrnehmung der weiblichen und männlichen Rolle in der Gesellschaft und bei jedem persönlich sowie die Einhaltung der Rechte und Pflichten eines jeden einzelnen in der Ausübung der Sexualität.
Um zu gewährleisten, dass auch nach der Präventionsveranstaltung weiter langfristig anstaltsinterne Ansprechpartner für die Inhaftierten zur Verfügung stehen, finden Mitarbeiterschulungen statt. Hier gibt es zwei wesentliche Berufsgruppen die geschult werden: Sozialdienst und Allgemeiner Vollzugsdienst. Die Mitarbeiterschulung dient, neben der Ausbildung zum Multiplikator, auch der Anleitung zum Umgang mit infizierten Gefangenen und dem sicheren Umgang mit illegal eingeführten Materialien und Gegenständen in die Anstalt und zeigt Handlungswege nach einer möglichen HIV-Exposition auf.
Veranstaltungsrahmen: Das Projekt erstreckt sich auf den Zeitraum März 2010 bis Dezember 2011.
Ansprechpartnerin für das Projekt: Hildi Keul AIDS-AUFKLÄRUNG e.V. Tel 069 / 76 29 33 Fax 069 / 76 10 55 info@aids-aufklaerung.de
Wir danken dem Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa für die Unterstützung dieses Projektes.
|